Alpen


Alpen
Bergwiese

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ạl|pen 〈V. intr.; hat; schweiz.〉 Vieh auf der Alp halten

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ạl|pen <sw. V.; hat (schweiz., westösterr.):
a) (Vieh) auf der 2Alp halten;
b) (bes. vom Vieh) auf der 2Alp sein.

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I
Ạlpen,
 
Gemeinde im Kreis Wesel, Nordrhein-Westfalen, 20 m über dem Meeresspiegel, 11 800 Einwohner; liegt am linken Niederrhein am Fuß des waldreichen Höhenzugs (Endmoräne) Bönninghardt;
 
 
Landmaschinen- und feinmechanische Industrie.
 
II
Ạlpen
 
Plural, das höchste Gebirge Europas; es zieht sich vom Golf von Genua (der Pass von Altare, 459 m über dem Meeresspiegel, gilt als Grenze zum Apennin) in großem Bogen nach Westen und Norden bis zum Genfer See, wo der Jura nach Norden abzweigt, und von dort ostwärts bis zur Donau bei Wien. Im Nordosten gehen die Alpen in die Karpaten, im Südosten in das Dinar. Gebirge über, im Westen grenzen sie an die Rhônesenke, im Norden an das schweizerische, deutsche und österreichische Alpenvorland, im Osten an das Ungarische Tiefland und im Süden an die Po-Ebene, aus der die Alpen steil aufsteigen. In dieser Umrahmung sind die Alpen etwa 1 200 km lang, 150-250 km breit, Letzteres in der Mitte und am Ostende, wo die einzelnen Gebirgsketten nach Nordosten und Südosten auseinander strahlen. Die Alpen bedecken eine Fläche von 220 000 km2; wegen der starken Höhenunterschiede ist die wirkliche Oberfläche um rd. 9 % größer. Die mittlere Höhe beträgt 1 400 m, die höchste 4 807 m über dem Meeresspiegel (Montblanc). Die Alpen sind die Hauptwasserscheide zwischen Nordsee, Mittelmeer und Schwarzem Meer, die Klimascheide zwischen Mittel- und Südeuropa sowie zwischen West- und Südosteuropa. Am Alpenareal haben Anteil: Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien, Frankreich, die Schweiz und Liechtenstein.
 
 
Die Alpen werden in der Regel orographisch-geologisch, vornehmlich nach den Gebirgsgruppen, eingeteilt (Übersicht Alpen, Hauptgruppen und höchste Gipfel). Dabei sind die Täler als wesentliche und vielfach einheitliche Siedlungs-, Wirtschafts- und Verkehrsräume von größerer Bedeutung. Viele als Einheit empfundene Täler oder Talabschnitte haben volkstümliche Bezeichnungen wie das obere Inntal bis Finstermünz (Engadin), das obere Salzachtal bis zur Taxenbacher Enge (Pinzgau), das obere Illtal (Montafon), das untere Illtal (Walgau), das Längstal der Adda (Veltlin). Besonders kennzeichnend hierfür sind die über Talwasserscheiden oder niedrige Sättel greifenden Namen: Pongau von der Taxenbacher Enge im Salzachtal bis zum Mandlingpass im Ennstal, Pustertal vom Rienz- zum Drautal, Wipptal über den Brenner hinüber. Die Längstäler sind meist breit, offen, wirtschafts-, siedlungs- und verkehrsfreundlich wie Oberennstal, Inntal, Vintschgau, Veltlin, Wallis, Isèrelängstal (Grésivaudan); die Quertäler sind enger und für Besiedlung weniger günstig (Salzach-, Reuss-, Tessin-, Durance-Quertal).
 
Die Linie Bodensee-Rheintal-Splügen-Comer See trennt die Westalpen von den Ostalpen. In den Westalpen fallen die inneren und höchsten Gebirgsstöcke (innere Gneisalpen) steil zur Poebene ab. Nach Westen lagert sich ihnen ein zweiter Zug kristalliner Gebirgsstöcke, die äußeren Gneisalpen, und schließlich eine Kalkzone (Helvetikum) vor, die nur in den französischen Alpen selbstständig ist, dagegen in den Schweizer Alpen eng mit den Gneisalpen verfaltet, sodass in der Schweiz nur eine Gliederung in Nord- und Südalpen üblich ist. Die Ostalpen haben einen regelmäßigeren, fast gleichseitigen Aufbau. Auf die innere kristalline Zone, die Zentralalpen, folgen beiderseits schmale, niedrigere Schieferzonen und breitere Kalkalpen, im Norden noch eine alpine Randzone, in der Sandsteine und Konglomerate (»Nagelfluh«) vorherrschen. Entlang der gesamten Ostalpen besteht eine Randzone aus Gesteinen des Flyschs, des Helvetikums und (lokal) der Molasse. Östlich der Linie Salzburg-Villach, wo die Gipfelhöhe unter 3 000 m über dem Meeresspiegel sinkt, haben die Alpen vielfach mittelgebirgsartige Formen.
 
 
Die Alpen sind ein Teil der Alpiden, dem erdumspannenden Faltengebirgsgürtel, der während der alpidischen Gebirgsbildung vom Jura bis Pleistozän aus der Tethys hervorgegangen ist. Die Alpen entstanden aus einem Bündel geosynklinaler Senkungsräume, die sich zeitlich verschieden entwickelten und zum Teil bereits variskisch gefaltete Räume erneut tektonisch mobilisierten. Die Geosynklinale der Ostalpen senkte sich seit dem Jungpaläozoikum ein und erreichte ihre größte Mächtigkeit in der Trias, erweiterte sich aber erst im Jura nach Westen und Norden.
 
Tektonische Großeinheiten
 
(von Süden nach Norden): 1) Südalpin, Dinariden: Das paläozoische Grundgebirge ist hier mit dem mesozoischen, meist karbonatischen Deckgebirge gefaltet; Deckenstrukturen fehlen. 2) Scheitel- oder Narbenzone: nach der Deckentheorie die Wurzelzone der nordalpinen Decken, nach der Plattentektonik eine Subduktionszone. Sie ist begleitet von der bedeutendsten Störungszone der Alpen (Insubrische-Tonale-Linie, Judicarien-, Pustertal-, periadriatische Linie) und synorogenen Granitintrusionen. 3) Ostalpin: Hier ist das zentralalpine Altkristallin und metamorphe Paläozoikum von faziell stark gegliedertem Mesozoikum (Kalkalpin) überlagert. Diese Einheit fehlt in den Westalpen fast ganz. 4) Penninikum: Die seit dem Jura wirksame Geosynklinale ist besonders in den Westalpen ausgeprägt. Die Einheit verschwindet unter dem Ostalpin, tritt aber im Engadiner, Tauern- und Wechselfenster zutage. 5) Die Flyschzone besteht aus meist tonigen Schichten, die in den Ostalpen seit der Unterkreide, in den Westalpen seit der Oberkreide bis ins Tertiär abgelagert wurden; sie zeigen deutliche Anzeichen der einsetzenden gebirgsbildenden Ereignisse. 6) Helvetikum: Der Senkungsbereich trat besonders in den Westalpen vom Oberjura bis zum Alttertiär in Erscheinung; er besitzt eine eigene Wurzelzone. Durch ihn spießen die Grundgebirgsmassive der Französischen Alpen (Montblanc, Belledonne, Pelvoux). 7) Subalpine Molasse: Die Geosynklinale entwickelte sich seit dem Alttertiär; sie reichte vom Genfer See bis zum Alpenostrand.
 
 
Die tektonischen Hauptzonen bilden vorwiegend nordvergente Strukturen, die deckenartig übereinander liegen, wobei die südlichen Einheiten die nördlichen überdecken. Da sie sich aber nicht über die ganze Länge der Alpen erstrecken, unterscheiden sich Baustil und Bausteine der Ost- und Westalpen beträchtlich voneinander. Auffällige Elemente sind die Klippen (z. B. Mythen), Deckenreste auf fremdem Untergrund und die »Fenster«, durch Erosion freigelegte unterlagernde Decken.
 
 OBERFLÄCHENGESTALT
 
Die Alpen sind das formenreichste Gebirge Europas. Sie verdanken das der Mannigfaltigkeit ihrer Gesteine, dem Wechselspiel von Hebung und Abtragung sowie der umgestaltenden Wirkung des Eiszeitalters, in dem durch mächtige (im Inntal z. B. 1 600 m dicke) Gletscherströme die schon vorher angelegten Täler und Pässe ausgeweitet wurden und am Alpenrand sich tiefe Zungenbeckenseen (Bodensee, Genfer See, Vierwaldstätter See, die oberitalienischen Seen) bildeten, die im Vorland zum Teil durch mächtige Moränenkränze gestaut und begrenzt werden (z. B. um den Gardasee und den Chiemsee). Kennzeichnend ist ferner der Stufenbau der Hochtäler; v. a. die kleineren Seitentäler münden als »Hängetäler« über den Haupttälern, und ihre Bäche überwinden die Stufen mit Wasserfällen oder zerschneiden sie in Klammen. Viele andere Einzelformen weisen auf die Vergletscherung der Alpen hin: Spuren der schleifenden und polierenden glazialen Erosion wie rund gebuckelte Hänge (die sich an der ehemaligen Schliffgrenze von den zackigen, scharfen, nicht vergletscherten Graten abheben), in flacherem Gelände seenerfüllte Wannen, Rundhöcker mit Gletscherschliffen, Moränen oder durch Moränen ausgekleidete Talflanken.
 
Von dem pleistozänen Eisstromnetz, das lediglich die obersten Gebirgsteile aussparte, die tieferen Pässe aber überstieg, sind nur in den inneren und höchsten Teilen der Alpen die heutigen Tal-, Hänge-, Kar- und Plateaugletscher übrig geblieben. Diese rezente, seit über 100 Jahren stark zurückgegangene Vergletscherung bildet mit den Gipfelformen, Wandfluchten und Talstufen, den Klammen und Schluchten sowie den Wasserfällen und Seen den besonderen Landschaftsreiz der Alpen. Die glaziale Unterschneidung der Hänge hat mit dem Schwinden der Gletscher viele Bergstürze ausgelöst. Die Wannenform der Trogtäler ist vielfach durch die kräftige Abtragung und die ihr entsprechende Ablagerung verwischt; diese baut mächtige Schwemmkegel in die größeren Täler hinein auf, wo Murgänge (Mure) den Siedlungen oft gefährlich werden.
 
 KLIMA · GEWÄSSER
 
Die Alpen haben weitgehend mitteleuropäisches Klima: die westlichen und nördlichen Ränder unter dem Einfluss der westlichen Winde stärker atlantisches, im Osten kontinentaleres Klima, am Südrand Übergang zum milden, winterfeuchten Mittelmeerklima (in den Klimaoasen an den oberitalienischen Seen sogar ausgesprochenes Mittelmeerklima). Im Winter stellt sich in abgeschlossenen Becken (Lungau, Klagenfurter Becken) häufig eine Temperaturumkehr ein (d. h., die umliegenden Höhen sind wärmer). Die Winde sind, wie Berg- und Talwind oder Föhn, stark von den örtlichen Verhältnissen abhängig. Sehr wichtig für das bodennahe Klima sind in den Alpen auch der Unterschied von Sonnen- und Schattenseite der Talhänge und die Hangneigung. Mit steigender Höhe nimmt im Allgemeinen die Wärme ab (0,58 ºC auf 100 m), während die Intensität der Sonnenstrahlung zunimmt, worauf die Bedeutung von Kurorten wie Davos, Arosa, Sankt Moritz begründet ist. Allgemein nimmt mit der Höhe auch der absolute Feuchtigkeitsgehalt der Luft rasch ab. In den Randzonen und in den Höhen fallen mehr Niederschläge (2 000-3 000 mm) als im Innern und im Osten.. Manche Tal- und Beckenlandschaften, besonders Wallis, Vintschgau und Kärnten, sind ausgesprochen trocken. Menge und Häufigkeit der Niederschläge nehmen bis etwa 2 400-2 800 m über dem Meeresspiegel zu, dann wieder ab.
 
Aus den gleichen Gründen ist auch die Schneegrenze unterschiedlich hoch (in den Randgebieten in 2 500-2 600 m, im Inneren in 2 800-3 100 m über dem Meeresspiegel). Die vergletscherte Fläche beträgt rd. 3 200 km2 (1,5 % der Gesamtfläche). Die größten und längsten Gletscher finden sich in den Westalpen (Aletschgletscher, Gornergletscher, Mer de Glace).
 
Die Gewässer der Alpen gehören zu den Einzugsgebieten von Rhone, Rhein, Donau und Po. Während die Hauptwasserscheiden meist über hohe Kämme und Pässe ziehen, queren andere als Talwasserscheiden tiefe und breite Längsfurchen, die, abgesehen von der Entwässerung, einheitlichen Talcharakter haben (so das Pustertal am Toblacher Feld). Anders als bei den aus nicht vergletscherten Alpengruppen kommenden Flüssen erreichen die von Gletschern gespeisten ihren Hochstand im Sommer, ihren Tiefstand im Winter. Größere Teile der Kalkalpen unterliegen einer starken Verkarstung, sind oberirdisch abflusslos, quellenarm, dafür reich an Höhlen (zum Teil mit Flüssen), in tiefen Lagen auch an Karstquellen.
 
 PFLANZEN- UND TIERWELT
 
Die Pflanzenwelt konnte zum größten Teil erst nach der letzten Eiszeit in den Alpenraum eindringen und ist in ihrem Grundstock mitteleuropäisch. Verbreitung und Wuchsform der Pflanzen zeigen eine enge Bindung an Klima und Boden: intensive Lichteinstrahlung mit hohem Ultraviolettanteil, häufiger Temperaturwechsel, kurze Vegetationszeit, lange Schneebedeckung, hohe Niederschläge, Abtragung des Bodens durch Wasser und Wind, Sonnen- und Schattenstandorte. Charakteristische Eigentümlichkeiten: niedriger Wuchs, Blüten mit intensiver Färbung (Stängelloser Enzian [Gentiana acaulis]), starke Behaarung als Schutz gegen Strahlung und Wasserverlust (Edelweiß [Leontopodium alpinum]), Dickblättrigkeit zur Stabilität des Wasserhaushalts (Dickblattgewächse, Steinbrechgewächse), Polsterwuchs (Stängelloses Leimkraut [Silene acaulis]), Spalierwuchs auf steinigem Untergrund (Netzweide [Salix reticulata]).
 
In der unteren montanen Stufe herrscht die Rotbuche (Fagus silvatica) vor, nach oben zunehmend gemischt mit Nadelbäumen, die im Bereich ihrer Obergrenze oft Reinbestände bilden. Mancherorts wird die Waldgrenze auch durch Lärchen (Larix decidua), gelegentlich durch Arven (Pinus cembra) bestimmt.
 
Die obere Waldgrenze fällt etwa mit der Grenze der Jahresmitteltemperatur von 1,5 ºC zusammen und liegt in unterschiedlichen Höhen. Nach oben folgt die Krummholzstufe, die meistens durch die Bergkiefer (Pinus mugo), an feuchten Standorten aber auch durch die Grünerle (Alnus viridis) gekennzeichnet ist. Auffällig sind in dieser Zone auch Alpenrosen (Rhododendron hirsutum, Rhododendron ferrugineum).
 
Darüber beginnt die artenreiche alpine Stufe mit den charakteristischen Arten Alpenhahnenfuß (Ranunculus alpestris), Gegenblättriger Steinbrech (Saxifraga oppositifolia) und Silberwurz (Dryas octopetala). Je nach Feuchtigkeit und Bodenverhältnissen treten auch Hochstaudenfluren (Blauer Eisenhut [Aconitum napellus], Alpenmilchlattich [Cicerbita alpina]), Schneetälchen (Alpenglöckchenarten [Soldanella]), Zwergstrauchheiden (Alpenheide [Loiseleuria procumbens]), ferner Flachmoore, Seggenrasen und Schuttfluren auf. Mit zunehmender Klimaerwärmung ist zu beobachten, dass hochalpine Pflanzen bis zu 4 m im Jahrzehnt bergan wandern, d. h. bisher vegetationsloses Gebiet besiedeln.
 
Die Tierwelt der Alpen ist in den unteren Lagen ähnlich der des Hügellands. In den mittleren Lagen, im Bereich des alpinen Nadelwalds, finden sich viele Tiere, die Europa nacheiszeitlich von Osten her besiedelten. Ihr Areal ist in ein alpines (Waldgebiete der Hochlagen der Mittelgebirge) und ein in der nördlichen Nadelwaldregion Eurasiens gelegenes Gebiet aufgeteilt (boreoalpine Verbreitung).
 
Erst im Bereich oberhalb der Baumgrenze (Oreal), der viele Endemiten birgt, finden sich die charakteristischen Alpentiere. Hierzu zählen Gämse, Alpensteinbock, Murmeltier, Schneemaus, bei den Vögeln Schneefink, Alpenbraunelle, Mauerläufer, Alpendohle und Alpenschneehuhn. Viele dieser Arten kommen jedoch auch im Oreal anderer europäischen Hochgebirge vor. Dies gilt auch für viele Insekten, z. B. für einige Schmetterlinge wie den Alpenapollo (Parnassius phoebus), den Alpengelbling (Colias phicomone) und die meisten Arten der Mohrenfalter (Erebia). Ähnlich wie bei den boreoalpinen Tieren besteht auch das Areal dieser Hochgebirgstiere aus einem südlichen Teil (europäisches Hochgebirge) und einem nördlichen Teil in den Tundren des hohen Nordens (arktoalpine Verbreitung).
 
Viele hochalpine Bodentiere (Käfer, Tausendfüßler, Landasseln, Landschnecken u. a.) haben außerordentlich kleine, oft nur auf einen einzigen Gebirgsstock begrenzte Wohngebiete. Selbst in der Region des ewigen Eises (Nival) findet sich noch spärlich tierisches Leben, z. B. der schwarz gefärbte Gletscherfloh (Desoria glacialis; Springschwänze). Er ernährt sich v. a. von Pollenstaub, der durch Aufwinde aus den tiefer gelegenen Nadelwäldern heraufgeweht wird.
 
 NATURHAUSHALT UND UMWELTBELASTUNG
 
Noch im 19. Jahrhundert waren die Alpen für Reisende nur ein Furcht einflößendes Hindernis auf dem Weg nach Italien; heute ist der Alpenraum die bedeutendste Fremdenverkehrsregion Europas. Diese Stellung wurde durch die Entwicklung des Massentourismus und die zunehmende Beliebtheit des Wintersports erreicht, was aber dazu beitrug, dass die Alpen zu einer der gefährdetsten Großlandschaften Europas wurden und die Störungen im Naturhaushalt Besorgnis erregend zunehmen.
 
Etwa 120 Mio. Urlauber und Tagestouristen besuchen jährlich den Alpenraum. Ihnen stehen 12 000 Seilbahnen und Lifte und 41 000 Skipisten mit einer Gesamtlänge von über 120 000 km zur Verfügung. Der Lebensraum der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt wird hierdurch und durch die Zersiedlung der Täler (in manchen Orten sind über 50 % der Häuser Zweitwohnsitze), verstärkten Straßenbau und ungehemmten Bau von Hotels und Sportanlagen so stark eingeengt, dass zahlreiche Arten vom Aussterben bedroht sind.
 
Unmittelbar spürbar für den Menschen wird der Verlust des ökologischen Gleichgewichts v. a. durch die Zunahme von Bergstürzen, Muren (Gesteins- und Schlammströmen) und Lawinen in den letzten Jahren. 1983 wurden Teile des Ortes Axams (Tirol) mehrere Meter hoch vermurt; als eine der Hauptursachen gelten Abholzungen und Pistenplanierungen im nahe gelegenen Olympiaskigebiet. Zeitweilig wurde die Brennerautobahn durch Muren unpassierbar. Das 1987 begonnene bayerische »Georisk-Projekt« registrierte in den Bayerischen Alpen bis 1995 akute und ältere Hangbewegungen an über 1 000 topographischen Orten. Schutzverbauungen kosten Millionenbeträge, ohne die Effizienz von natürlichem Schutzwald zu erreichen.
 
Noch vor den direkten Eingriffen in die Landschaft, die zugunsten des Tourismus vorgenommen werden, gilt das Waldsterben als Hauptursache für die immer ausgedehnteren Erosionserscheinungen, die wiederum die Bergsturz- und Lawinengefahr erheblich steigern. Die starke Abnahme der Waldbestände in den Alpen ist ein historischer Prozess, der mit der Rodung der Wälder begann und sich mit der Einrichtung von »Hofjagden« im 19. Jahrhundert und der Überbestockung mit Reh- und Gamswild fortsetzte. Das Wild verbeißt die jungen Wüchslinge und lässt den Wald nicht mehr nachwachsen; mittlerweile gelten in Österreich über 50 % des Jungwaldes als deswegen geschädigt. Hinzu kamen der Kahlschlag der Bergmischwälder zur Nutzholzgewinnung und die Aufforstung mit Monokulturen (v. a. Fichten, die nur flach wurzeln und kein Unterholz aufkommen lassen und damit auch nicht die Schutzfunktion der Mischwälder übernehmen können). Um 1800 bestanden zwei Drittel der Bergwälder aus Mischwald, 1986 nur noch 10 %. Seit der Jahrhundertwende konnte zwar in den nördlichen Ostalpen eine Zunahme der Waldbedeckung registriert werden, sie wurde jedoch in den letzten Jahren durch Sturm- und Käferschäden unterbrochen. Außerdem setzt sich der Rückgang des Waldes in Form des Waldsterbens unter der Einwirkung der zunehmenden Luftverschmutzung und des sauren Regens in immer schnellerem Tempo fort. Dabei sind die Westalpen und der Alpennordrand als niederschlagsreichste Gebiete am stärksten betroffen. 1994 galten etwa 60-70 % der Waldflächen in den Alpen als geschädigt, in Vorarlberg waren es über 80 %, in Graubünden und Tirol 50 %.
 
Einen weiteren Problemkreis bilden die Verschmutzung des Gletschereises und das klimabedingte Abschmelzen der Gletscher sowie der Ausbau von Gebirgsbächen und der Bau von Staudämmen. Hier liegen meist die Interessen der Energiewirtschaft und des Naturschutzes im Widerstreit.
 
Um wirksam vielseitige Schutzfunktionen durchsetzen zu können, richten die Anrainerstaaten der Alpen (Italien, Frankreich, Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Deutschland, Slowenien) Nationalparks, Schutzgebiete, Naturparks (Unterengadin, Hohe Tauern, Karwendelgebirge, Ammergauer Alpen, Triglav) und Alpenpflanzgärten ein; die Naturschutzgesetzgebung wird ausgebaut mit dem Ziel, die Alpen als stabilen Lebens- und Wirtschaftsraum sowie als einzigartige und vielfältige Naturlandschaft zu erhalten. Das setzt ein umweltverträgliches Wirtschaften und Handeln aller Beteiligten voraus. Am 7. 11. 1991 wurde die Alpenkonvention unterzeichnet, die am 5. 3. 1995 in Kraft trat. Darin verpflichten sich die Alpenstaaten und die EU zu einer Verstärkung sowie der räumlichen und fachlichen Erweiterung ihrer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit für den Alpenraum. Ein gänzlicher Abbau des Fremdenverkehrs ist dabei unmöglich, da dies den wirtschaftlichen Ruin vieler Gebiete bedeuten würde. So soll der Tourismus dezentralisiert und in seinen Erscheinungsformen den Umwelterfordernissen angepasst werden, wofür das Schlagwort »sanfter Tourismus« geprägt wurde. Daneben stehen als dringlichste Maßnahmen eine Neuordnung der Forstwirtschaft und des Jagd- und Hegewesens.
 
 BEVÖLKERUNG
 
Im Innern der Alpen siedeln Reste der rätisch-keltischen, später romanisierten Urbevölkerung, die Rätoromanen (etwa 2 % der Bevölkerung). Vom Vorland aus drangen Deutsche (heute etwa 34 % deutschsprachig), Italiener (rd. 28 %), Franzosen (25 %) und Slowenen ein. In siedlungsfreundlichen Tälern und an verkehrsgünstigen Pässen entwickelte sich, begünstigt durch die Abgeschiedenheit nach außen, kräftiges eigenstaatliches Leben. Es entstanden »Passstaaten« (Tirol, Graubünden, die Urkantone, Savoyen-Piemont) und politische Talschaften (Pinzgau, Pongau, Lungau, Ausseer Land, Werdenfelser Land, Vintschgau, Urseren, Tavetsch, Engadin, Tarantaise, Maurienne, Ubaye, Aostatal, Veltlin, Cadore, Carnia).
 
Die Alpen gehören zu den dichtestbesiedelten Hochgebirgen der Erde. Dauersiedlungen reichen im Durchschnitt bis 1 500 m, vereinzelt bis 2 100 m über dem Meeresspiegel, Sommersiedlungen (Alm) noch 800 bis 1 200 m höher. Geschlossene Siedlungen (Dörfer, Märkte, Städte) finden sich nur in den Tälern; diese wurden in jüngster Zeit, besonders in den Fremdenverkehrsgebieten, immer mehr zersiedelt (Ferienhäuser, Hotels, Appartementblocks), gefördert durch ein dichtes Netz von Autostraßen und Bergbahnen.
 
 
Wichtigste Erwerbsquelle war bis in die jüngste Zeit die Viehzucht in Form der Almwirtschaft, die jahreszeitlich den über der Waldgrenze gelegenen Mattengürtel (Alm oder Alp) in den Weideraum einbezieht. Sie besitzt eine weit größere Verbreitung in den Zentralalpen (besonders Schieferalpen) als in den Kalkalpen, ist bedeutender in den Westalpen als in den Ost- und Südalpen. Je nach der Höhenlage der Alm wird das Vieh im Frühsommer zur »Sömmerung« aufgetrieben. Im Herbst bezieht es wieder die Heimweiden. In höheren Gebirgsgruppen besteht Stafelwirtschaft, d. h., vor der Hochalm (Hochleger, Obersäß) ist noch eine Nieder- oder Voralm (Niederleger, Untersäß, Aste) eingeschaltet; in der Schweiz liegt häufig noch ein Mittelsäß dazwischen. Auf dem Maiensäß der Westalpen wird Wiesenwirtschaft betrieben. Die Almwirtschaft ist nach wie vor sehr arbeitsintensiv; Mechanisierung wird durch die Geländebeschaffenheit erschwert. Der steigende Mangel an Almpersonal bringt es mit sich, dass immer mehr Almen, besonders die kleineren, verlassen werden. Die größeren, besser gelegenen Senn- (oder Kuh-)Almen werden mehr und mehr zu Galt-Almen, auf denen in arbeitssparender, rationalisierter Form Jungvieh auf gedüngten Koppeln und in Gemeinschaftsställen gehalten wird. Nur ein geringer Teil des Alpenareals (in den österreichischen Alpen rd. 10 %) wird durch Anbau genutzt, vorwiegend die großen, wärmeren Täler. Die obere Getreidegrenze liegt im Norden in 950-1 100 m über dem Meeresspiegel, in den Ötztaler-, Ortler- und Adamelloalpen zwischen 1 300 und 1 450 m, im Gurgler und Venter Tal bei 1 800 m über dem Meeresspiegel
 
In klimatisch günstigen Zonen der Alpen hat auch der Weinbau, meist gemeinsam mit dem Obstbau, eine wirtschaftliche Bedeutung, besonders im Rhonetal des Wallis und der Waadt, auch am Alpenrhein unterhalb von Chur, v. a. aber in den nach Süden geöffneten Talschaften (in Südtirol, im Tessin, Veltlin, Aostatal) und am Südrand sowie am zum Pannonischen Becken orientierten Ostrand in Niederösterreich. Im Allgemeinen liegt seine Obergrenze im Norden bei 300 m über dem Meeresspiegel, im Süden bei 600-800 m, im Tessin bei 950 m. Im trockenen und warmen Wallis erreicht er bei 1 200 m über M. um Visperterminen die höchsten Lagen in Mitteleuropa.
 
Das Etschtal ist eines der bedeutendsten Obstbaugebiete (v. a. Äpfel und Birnen); der einstmals beachtliche Gemüsebau spielt kaum noch eine Rolle. Mittelmeer. Kulturpflanzen wie Öl- und Feigenbaum (mit der Obergrenze bei 250 und 400 m über dem Meeresspiegel), Maulbeerbaum (Obergrenze 800 m über dem Meeresspiegel, ausnahmsweise auch 1 000 m über dem Meeresspiegel), Agrumen, besonders Zitronen, beherrschen die mediterranen Randgebiete der südlichen Alpen um die oberitalienischen Seen.
 
Etwa 40 %, in manchen Gebieten 70-80 % des Alpenareals werden von Wald eingenommen, aus forstwirtschaftlichen Gründen vorwiegend Fichtenbestände; der Rückgang des ökologisch günstigeren Bergmischwaldes konnte mittlerweile weiträumig gestoppt werden. Er hat besonders als Bann- oder Schutzwald eine bedeutende Funktion. Die Holzwirtschaft ist im Alpenraum ein wichtiger Wirtschaftszweig; besonders in Österreich, Bayern und der Schweiz besteht eine umfangreiche Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie.
 
Die Alpen sind reich an Salz und Erzen; die Bedeutung des Bergbaus ist jedoch rückläufig. In den Nördlichen Kalkalpen finden sich Salzlager (mit »Salz« oder »Hall« zusammengesetzte Ortsnamen, Solbäder in Hall in Tirol, Hallein, Hallstatt, Reichenhall, Ischl, Aussee), ferner Blei- und Zinkerze, besonders in Südkärnten (der Abbau wurde im Gebiet Bleiberg-Kreuth 1993 eingestellt). Die Haupterzvorkommen liegen in der Grauwackenschieferzone (Ortsnamen mit »Erz«, »Arz«, »Reichenstein«); ein gewaltiger Eisenerztagebau findet sich am steirischen Erzberg; ferner gibt es Kupfer-, Silber-, Magnesit-, Wolfram- und Graphitlagerstätten. Im Mittelalter waren die Goldfundstellen in den östlichen Hohen Tauern von Bedeutung. Zementfabriken finden sich v. a. in den Kalkalpen, in Zonen des Helvetikums und Flyschs, Steinbruchbetriebe (auf Granit, Marmor, Porphyr, Nagelfluh u. a.) überall in den Alpen. Aus traditionellem Gewerbe (u. a. Holz- und Metallverarbeitung) entwickelten sich bedeutende Standorte mit vielseitiger Industrie v. a. in den weiten Alpentälern (z. B. der Mur-Mürz-Furche), besonders aber am Alpenrand. Außer den Solbädern und Mineralquellen, darunter der Säuerling von Sankt Moritz, treten zahlreiche Thermen auf: Villach (28,7º), Gastein (49,6º), Brennerbad (22,5º), Bormio (31º), Ragaz-Pfäfers (37,5º), Leukerbad (51 ºC). Heilquellen, Übersicht.
 
Das hydroenergetische Potenzial der Alpen ist beträchtlich. So wird die Wasserkraft zum einen an den Flüssen durch Laufkraftwerke intensiv genutzt, zum anderen aber besonders stark durch Speicherkraftwerke an den zahlreichen Stauseen, besonders in den Hohen Tauern, Vorarlberg, der Schweiz, den Süd- und Südwestalpen.
 
Fremdenverkehr ist heute wichtigster Erwerbszweig in der Alpenregion; von ihm lebt über die Hälfte der Bevölkerung. Er hat eine starke Zuwanderung bewirkt (besonders Rentner und Pensionäre). Obgleich bedeutendster Faktor im sozioökonomischen Gefüge der gesamten Region, wird der Fremdenverkehr wegen der durch ihn mit verursachten schwerwiegenden Probleme zunehmend kritisch beurteilt (siehe Abschnitt Naturhaushalt und Umweltbelastung).
 
 
Der Alpenraum hat große verkehrstechnische Bedeutung und ist durch Alpenstraßen, Alpenbahnen und Alpenpässe erschlossen (Übersicht Seite 422/423). Diese dienen nicht nur dem regionalen Verkehr, sondern müssen in zunehmendem Maße die Verkehrsströme der Personen- und Güterbeförderung im Alpentransit bewältigen, was zu immer stärkerer Belastung der Siedlungsräume und des Naturhaushalts führt. Schon in vorrömischer Zeit überspannte ein Netz von Saumpfaden die Alpen. Diesen Pfaden folgten einige Römerstraßen, die auch noch im Mittelalter benutzt wurden. Die römischen und mittelalterlichen Straßen vermieden zumeist den sumpfigen Talboden und zogen am sonnseitigen Hang, oft in steilem Anstieg, hinauf, während die modernen Straßen sich an die Talböden halten, unnötige Steigungen vermeiden und die Pässe oft erst in zahlreichen Kurven (Serpentinen) erreichen. Die Romzüge der deutschen Kaiser bewegten sich v. a. über den Brenner, außerdem über den Großen Sankt Bernhard, Septimer und Mont Cenis. Mit dem Aufkommen des Landesfürstentums wurden auch andere Wege benutzt, und die eine oder andere Straße verödete. So trat an die Stelle der uralten und auch römischen Ostalpenrandstraße Aquileja-Ljubljana-Cilli-Pettau-Steinamanger-Carnuntum, die eine der großen Heerstraßen der Völkerwanderungszeit war, die »Venediger Hauptstraße«; sie führte von Wien über den Neumarkter Sattel und den Saifnitzer Sattel ins Tagliamentotal oder über den Predilpass zum Isonzotal. Die »Strada d'Almagna«, piaveaufwärts durch die Dolomiten nach Toblach, entstand als neuer Zugang zum Brenner.
 
In den Westalpen wurde Anfang des 13. Jahrhunderts der Gotthardweg geschaffen, der - ähnlich dem Brennerweg in den Ostalpen - hier bald alle anderen an Verkehrsbedeutung überflügelte, auch die wichtigsten Wege des Mittelalters über den Großen Sankt Bernhard und den Septimer. Viele Hospize auf oder bei den Pässen gewährten den Reisenden Schutz und Unterkunft, z. B. das im 11. Jahrhundert vom heiligen Bernhard von Menthon auf dem nach ihm benannten Großen Sankt Bernhard angelegte, das durch die hier gezüchteten Bernhardiner (Sankt-Bernhards-Hund) Weltruf erlangte. Im 16. und 17. Jahrhundert verfielen mit dem Rückgang des Pilgerverkehrs und des deutsch-italienischen Handels viele Alpenstraßen; Post und Kuriere beschränkten sich auf wenige Routen. Erst im 18. Jahrhundert wurde ihnen wieder Aufmerksamkeit geschenkt. In napoleonischer Zeit gab es in den Ostalpen nur drei befahrbare Pässe: Semmering, Radstädter Tauern und Brenner. In den Westalpen wurden auf Veranlassung Napoleons I. die Straßen über den Mont Genève, Mont Cenis und Simplon gebaut. Sie waren Vorbild für die Anlage der Alpenstraßen des 19. Jahrhunderts In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Bau von Eisenbahnlinien begonnen. Diese lehnten sich anfangs ausschließlich an die alte Linienführung der Passwege an; sie führten entweder über die Pässe oder durch den obersten Teil des Gebirgskörpers mit einem kurzen Scheiteltunnel. Durch lange Fahrten an den Talflanken, oft in Seitentäler einschwenkend, wurde die erforderliche Höhe gewonnen. Später konnten durch den Bau längerer Tunnel die Streckenführungen von Straße und Bahn vereinfacht und v. a. die Höhenunterschiede verringert werden. Im 20. Jahrhundert wurde mit der Steigerung des Fremdenverkehrs und der zunehmenden Motorisierung besonders das Straßen-, weniger das Eisenbahnnetz ausgebaut; für den regionalen Verkehr entstanden jedoch an vielen Orten, v. a. in der Schweiz, Zahnrad-, Standseil- und Seilschwebebahnen. Durch den Bau langer Basistunnel, deren Zugänge in tiefen, klimagünstigen Tälern liegen, konnte man sich in vielen Fällen von den alten Routen lösen und der Gefährdung durch Steinschlag, Schneeverwehungen und Lawinen entgehen. Dennoch sind nach wie vor die meisten Straßen nicht ganzjährig befahrbar; aus diesem Grund spielt in den Alpen die Kfz-Verladung auf die Bahn eine große Rolle.
 
 
Spuren der ältesten Besiedlung stammen aus der Zeit um 120 000 v. Chr. Diese altsteinzeitliche Funde sind nur aus hoch gelegenen Höhlen bekannt (Wildkirchli; Wildenmannlisloch, Kanton Sankt Gallen), weil die Gletscher der letzten (Würm-)Eiszeit alle Siedlungsspuren in den Tälern zerstörten. Erst allmählich bot das Gebirge dann wieder Lebensmöglichkeiten. In die Mittelsteinzeit gehören zahlreiche Fundplätze in den südlichen Zentralalpen. Häufig liegen sie in Passregionen (um die Sellagruppe bis 2 200 m über dem Meeresspiegel) und bezeugen sommerliche Lager von Jägern. Die bäuerliche Wirtschaft war in der Jungsteinzeit nur an den Gebirgsrändern zu betreiben; dort wurden auch die flachen Seeufer besiedelt (Pfahlbauten). In der frühen Bronzezeit begann der Abbau von Kupfererz (am Mitterberg, im Land Salzburg, auf der Kelchalpe bei Kitzbühel, Tirol). Dies führte zur Erschließung weiterer Siedlungsräume und zu großräumigen Handelsverbindungen. Selbst sehr hoch gelegene Übergänge von einer Talschaft in die andere wurden benutzt. Eine erste inneralpine Gemeinschaft zeichnete sich seit der späten Bronzezeit durch die Verbreitung der Laugener/Melauner Kultur aus, die von Vorarlberg über das Engadin bis Südtirol reichte. Dieser Raum stimmte mit demjenigen überein, dessen Bevölkerung die Römer später als »Räter« bezeichneten; sie besaßen eine vermutlich nichtindogermanische Sprache. In der Eisenzeit nahm die Bevölkerung weiter zu; besonders am Rand der Ostalpen lagen wichtige Zentren der Hallstattkultur. Der Einfluss der La-Tène-Kultur in den Gebirgsregionen blieb trotz mehrfacher Durchzüge keltischer Völkerschaften seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. gering. Nur in den Ostalpen entstand ein keltisch geprägter Stammesverband (Noriker), dessen Eisenindustrie so bedeutend war, dass die Römer hier eine friedliche Annektierung bevorzugten. Das Aostatal (mit dem Großen Sankt Bernhard) und die Zentralalpen wurden von Rom zwischen 25 und 15 v. Chr. in blutigen Kriegen erobert.
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
alpenländische Musik · Alpenvereine · Alpinismus · Dolomiten · Engadin · Kalkalpen · Ostalpen · Österreich · Salzkammergut · Schweiz · Wallis · Westalpen · Zentralalpen
 
 
A. Penck u. E. Brückner: Die A. im Eiszeitalter, 3 Bde. (1901-09);
 A. Haushofer: Paß-Staaten in den A. (1928);
 N. Krebs: Die Ost-A. u. das heutige Österreich, 2 Bde. (21928, Nachdr. 1961);
 R. Blanchard: Les Alpes occidentales, 7 Bde. (Paris 1938-56);
 J. Frödin: Zentraleuropas Alpwirtschaft, 2 Bde. (Oslo 1940);
 H. Franz u. a.: Die Nordost-A. im Spiegel ihrer Landtierwelt, auf mehrere Bde. ber. (Innsbruck 1954 ff.);
 
Almgeographie. Kolloquium Rottach-Egern 1962, hg. v. W. Hartke u. K. Ruppert (1964);
 W. Danz: Aspekte einer Raumordnung in den A. (21971);
 M. P. Gwinner: Geologie der A. (1971);
 L. Löhr: Bergbauernwirtschaft im A.-Raum (Graz 1971);
 K. Ruppert u. a.: Das Bergbauerngebiet der dt. A. (1971);
 O. Kubat: Die Niederschlagsverteilung in den A. mit besonderer Berücksichtigung der jahreszeitl. Verteilung (1972);
 R. Oppenheim: Die Entdeckung der A. (1974);
 D. Richter: Grundriß der Geologie der A. (1974);
 J. Birkenhauer: Die A. (1980);
 
A.-Pässe, A.-Straßen, hg. v. ADAC (61981);
 L. Pauli: Die A. in Frühzeit u. MA. (21981);
 F.-M. Engel: Die Pflanzenwelt der A. (1983);
 T. Hiebeler: A.-Lexikon (21983);
 H. Hlauschek: Der Bau der A. u. seine Probleme (1983);
 E. Landolt: Unsere A.-Flora (51984);
 D. Maier: Die schönsten Pässe u. Höhenstraßen der A. (1984);
 E. Denzel: Großer A.-Straßenführer (Innsbruck 151985);
 R. Hofer: A.-Tiere-Kompaß (21985);
 W. Lippert: A.-Blumen-Kompaß (1985).
 
Weitere Literatur: Alpenvereine, Österreich, Schweiz.
 

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Ạl|pen <Pl.>: höchstes europäisches Gebirge.

Universal-Lexikon. 2012.

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